Moderne Makrobiotik

Makrobiotik

Der Begriff Makrobiotik soll zurückgehen auf den antiken griechischen Arzt und Philosophen Hippokrates von Kos (ca. 460 – 370 v. Chr.), dem Begründer der westlichen ärztlichen Heilkunst als Wissenschaft. Nachgewiesen werden kann dies jedoch nicht. Tatsache ist aber, dass der Begriff aus dem Griechischen stammt. Wörtlich übersetzt bedeutet er „Lehre vom großen Leben“ oder „Lehre von der Größe des Lebens“.

Historisch eindeutig bewiesen ist, dass der deutsche Arzt Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836) seinem 1796 erschienem Hauptwerk Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern 1805 in der dritten Auflage den Titel „Makrobiotik“ gab. In diesem Werk empfiehlt er als Gesundheitsvorsorge eine natürliche Ernährung und einen harmonischen Lebensstil.

Im 20. Jahrhundert trifft der japanische Philosoph George Ohsawa, eigentlich Yukikazu Sakurazawa (1893-1966), auf diese westliche Ernährungslehre und verbindet sie mit seiner Philosophie des Einen Prinzips. In seinem Hauptwerk „Zen Makrobiotik“ legt er seine Ernährungslehre dar.

Wesentlicher Inhalt seiner Philosophie ist das energetische Prinzip von Yin und Yang, das letztlich eine höhere Einheit bildet. Es handelt sich um zwei gegensätzliche, dennoch ähnliche Tendenzen oder Kräfte, die im stetigen Wechselspiel miteinander korrespondieren. Yin ist die aufsteigende Kraft mit einer Tendenz zur Ausdehnung und Verflüchtigung, Yang ist die absteigende Kraft mit einer Tendenz zur Zusammenziehung und Ballung. Diese Kräfte wechseln sich stets ab, was überall in der Natur zu beobachten ist: Der Tag weist mit seinen Schattenspielen schon auf die Dunkelheit der Nacht hin. Die Nacht deutet mit dem Sternenglanz auf den heraufziehenden Tag. Nichts bleibt, wie es ist, alles ist in ständiger Bewegung.

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Kennen wir grundsätzlich die energetischen Tendenzen und Kräfte, die auf uns wirken, ist es möglich, mit unserer Nahrung als einer dieser Kräfte harmonisierend und kräftigend auf unseren Körper, unsere Seele und unseren Geist einzuwirken, was letztlich Ziel und Zweck jeder Ernährung sein sollte. Auch Meditation, Körperübungen, unsere sozialen Beziehungen nähren uns. Die makrobiotische Einstellung zur Ernährung ist friedensfördernd, weil sie zerstörerische Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt verhindert.

Die bekanntesten japanischen Schüler Ohsawas, Michio Kushi und Herman Aihara, sowie deren Ehefrauen Aveline Kushi und Cornellia Aihara haben die makrobiotische Lebens- und Ernährungsweise weiterentwickelt und wiederum zahlreiche Schülerinnen und Schüler ausgebildet, die dann in verschiedenen Zentren überall auf der Welt tätig wurden.

Die makrobiotische Lebens- und Ernährungsweise

Makrobiotisch zu kochen hat etwas zutiefst Künstlerisches an sich. Jede Köchin und jeder Koch entwickelt ihren/ seinen eigenen Stil. Es ist faszinierend zu beobachten, wie viele feine Unterschiede es geben kann. Beharrende, rechthaberische, einseitige und einengende Auffassungen von Makrobiotik sind vollkommen uninteressant. Hier liegt meist ein Missverständnis vor oder mangelnde Kreativität. Gewiss ist eine Heilkost im speziellen Fall strenger und konsequenter zu handhaben als die genüssliche Alltagsküche oder die kulinarische Festtagsküche. In jedem Fall aber gilt: Makrobiotische Ernährung sollte schmecken, sinnenfroh und genussreich sein. Sie sollte modern sein und glücklich machen!

Wie sieht eine Ernährung nach Yin und Yang aus?

Zunächst einmal teilen wir unsere natürlichen Nahrungsmittel grob nach Yin und Yang und nach ausgleichenden ein:

Yin

Zucker, Honig
Alkohol
Kaffee, schwarzer Tee
scharfe Gewürze wie Chili, Pfeffer, Paprika
Chemikalien (auch Medikamente) und Drogen aller Art
tropische Früchte
Milch und Milchprodukte
Eis
Kartoffeln, Tomaten und andere Nachtschattengewächse wie Auberginen, Paprika
Spargel
rote Bete
Hefe

Yang

Salz
Fleisch
Fisch
Eier
fester Käse
Brot
Backwaren

ausgleichende Lebensmittel

Getreide
Gemüse
Hülsenfrüchte
Algen
Nüsse (heimische)
Samen und Saaten
Früchte (einheimische)

Vereinfacht ausgedrückt: Essen wir überwiegend extreme Yin-Nahrung, verlangen wir nach extremer Yang-Nahrung und umgekehrt. Halten wir uns überwiegend an die per se ausgleichenden Lebensmittel der Mitte, springen wir von der Schaukel ab und empfinden mehr Harmonie und übrigens auch Freiheit, denn das ständige Verlangen nach dem Ausgleich der Extreme kann sehr quälend sein und unfrei machen.

Unsere Nahrungsmittel sollten natürlichen Ursprungs sein, biologisch-dynamisch angebaut, frisch geerntet, also der jeweiligen Jahreszeit entstammen. Industriell erzeugte Nahrungsmittel sind keine Lebensmittel. Sie sind kraftlos und unlebendig. Fast Food und künstliche Zusätze wie auch Gentechnik werden strikt abgelehnt.

Der Qualitätsbegriff in der Makrobiotik ist sehr groß. Er dehnt sich auch auf die Art der Räume aus, in denen wir wohnen, leben, arbeiten.

Die tägliche makrobiotische Ernährung ist überwiegend vegan, jedoch kann mehrmals wöchentlich Fisch gegessen werden. Je nach individuellen Bedürfnissen können gelegentlich auch Fleisch und Milchprodukte sowie Eier, wenn allgemein von hoher Qualität, hinzugenommen werden. Das hängt ganz von der individuellen Verfassung und Möglichkeit ab. Ausgewogenheit bedeutet auch, hier auf die persönlichen Lebensumstände Rücksicht zu nehmen.

Die 5 Elemente

Um eine ausgewogene Mahlzeit zusammenzustellen, sollte man vielleicht die Energierichtungen der Nahrungsmittel kennen und welches Element sich in ihnen zu erkennen gibt. Die Elemente hängen unmittelbar mit den Jahreszeiten zusammen (nach der östlichen Naturbeobachtung sind es 5 Elemente, Du kannst auch nur mit 4 Elementen wie in der westlichen Tradition arbeiten und Sommer und Spätsommer zusammen nehmen):

Jahreszeiten, Elemente und Energien

Frühling –Holz –Energie aufwärts strebend
Sommer –Feuer – Energie aufwärts seitlich strebend
Spätsommer – Erde – Energie nach unten gerichtet
Herbst – Metall – Energie nach innen konzentriert
Winter – Wasser  – Energie seitwärts fließend

Elemente, Farben, Formen und Geschmack

Holz:      grün – lang und dünn – sauer
Feuer:    orange –  lang und ausgedehnt – bitter
Erde:      gelb –  rund – süß
Metall:   weiß –  länglich knollig – scharf
Wasser:  blau, schwarz – lang und dünn – salzig

Nahrungsmittel

Kaum ein Lebensmittel kann zu 100 % einem Element zugeordnet werden. Nichts soll streng schematisch vonstatten gehen. Hier ist die Möglichkeit des künstlerischen Spielens gegeben. Für den Anfang kann jedoch eine Zuordnung wie die aus dem ehemaligen Makrobiotikzentrum Kiental in der Schweiz (siehe unten) eine Hilfe sein, weil sie den Blick schult. Später verinnerlicht man die Qualitäten, die mit dieser Zuordnung gemeint sind, weil man eigene Beobachtungen gemacht hat, und schließlich kann man dann freier damit umgehen:

Holz: Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel, Grünkern, Gerste, Perlgerste – Erbsen, weiße Bohnen, Tempeh – Wakame – Broccoli, grüne Erbsen, Lauch, Stangensellerie, Sprossen, Chinakohl, Schnittlauch, Frühlingszwiebeln

Feuer: Mais, Polenta, Amaranth, Quinoa – weiße Bohnen, schwarze Soyabohnen, Tofu – Dulse, Nori, Agar-Agar – grünes Blattgemüse wie Mangold, Spinat, Endivien, Chicoree, Zucchini, Gurke

Erde: Hirse, Süßreis, Mochi – Kichererbsen, Nierenbohnen, Borlottibohnen – Arame – Pastinaken, Kürbis, Zwiebeln, Kohl, Steckrüben, Kastanien, Möhren

Metall: Reis – Linsen, Natto – Hijicki – Ingwer, Meerrettich, Kresse, Blattgrün, Rettich, Rettichgrün, Möhrengrün

Wasser: Buchweizen – Azukibohnen – Kombu – Lotuswurzel, Schwarzwurzel , Klettenwurzel, Pfeilwurzelmehl

Die Wandlungen der 5 Elemente

Hier ein allgemeiner Hinweis, wie die einzelnen Elemente zusammenhängen können:

Holz gräbt sich in Erde
Erde erstickt Holz
Wasser löscht Feuer
Feuer verdampft Wasser
Holz stumpft Metall ab
Metall schneidet Holz
Wasser erweicht Erde
Erde saugt Wasser auf
Metall zieht Hitze aus Feuer
Feuer schmilzt Metall

Wasser korrigiert, wenn Feuer droht, Holz zu verbrennen
Metall korrigiert, wenn Holz droht, Feuer zu ersticken
Erde korrigiert, wenn Wasser droht, Holz zu untergraben
Metall korrigiert, wenn Holz droht, Wasser zu verbrauchen
Feuer korrigiert, wenn Metall droht, Wasser einzuengen
Erde korrigiert, wenn Wasser droht, Metall auszuspülen
Holz korrigiert, wenn Erde droht, Metall zu begraben
Feuer korrigiert, wenn Metall droht, Erde zu zerstückeln
Wasser korrigiert, wenn Feuer droht, Erde zu erhitzen
Holz korrigiert, wenn Erde droht, Feuer zu löschen

Schneidetechniken

Je feiner ein Gemüse geschnitten wird, desto mehr wird es yinisiert und benötigt dann nur eine kurze Kochzeit. Deshalb sind die Schneidetechniken keinesfalls unbedeutend.

Es gibt folgende Schneidetechniken:

Holz: diagonale Scheiben
Holz oder Feuer: halbdiagonale Scheiben, Halb- und Viertelmonde
Feuer: Würfel, Blumen
Feuer oder Erde: Streichhölzer
Erde: ganz gelassen
Metall: Rechtecke
Wasser: Rollschnitt
Wasser oder Holz: raspeln

Kochstile

Auch die Kochstile verändern den Energiezustand eines Nahrungsmittels. Es gibt folgende Kochstile:

Blanchieren: Blattgemüse, kurze Garzeit

Kochen: gröber geschnittenes Gemüse, längere Garzeit

Dämpfen: alle Gemüsearten, Aufwärmen von Resten

Sautieren oder Dünsten: mit Öl oder Wasser, schnelles Garen von Gemüse

Braten: gröber geschnittenes Gemüse, Tofu, Tempeh, Seitan, Bratlinge

Nishime: im eigenen Saft garen, lange Garzeit 30-40 Min., Wurzelgemüse

Frittieren: yangig und sehr energetisch, in Öl schwimmend garen, eher bei Festessen

Backen: yangig, kräftig und Kraft spendend

Dampfdruckkochen: Getreide, Hülsenfrüchte, mehr nach unten und innen gerichtete Energie, durch andere Kochstile auszugleichen

Pressen: ungekochtes Gemüse, durch Salzen, Kneten und Druckpressen wird yiniges Rohgemüse yangiger

Die Kochstile sind folgenden Elementen zugeordnet:

Holz: blanchieren, kurz sautieren, dünsten
Feuer: sautieren, braten
Feuer oder Erde: pressen
Erde: dämpfen
Metall: backen, druckkochen
Wasser: Nishime
Wasser oder Holz: kochen

Fazit:

Anhand von Naturerlebnissen und Naturbeobachtungen aber auch von Beobachtungen im Sozialen kann man diese Aufzählungen mit Leben füllen. Sie werden allmählich zu Empfindungen, die dann bei der Zusammenstellung der Nahrung und in der eigenen makrobiotischen Kochkunst zusammenfließen. Letztendlich sollte man nichts ungeprüft lassen und nur, was zum persönlichen Leben passt und sich bewährt, beibehalten.

Viel Vergnügen wünsche ich!

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Moderne Makrobiotik

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Möchtest Du gern auf die Einladungsliste gesetzt werden oder nähere Informationen erhalten?
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Unsere Einladungen ins Wohnzimmerrestaurant sind privat und werden von uns nur nach vorheriger Anmeldung per E-Mail ausgesprochen. Wir bieten kein Restaurant und auch keinen Mittagstisch an.

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